Schenkung des Malers Gil Schlesinger  für das Museum Junge Kunst

 

Das Museum Junge Kunst konnte als Geschenk zwölf Bilder und 15 Zeichnungen in seinen Bestand aufnehmen.

Der aus der DDR emigrierte Maler und Grafiker Gil Schlesinger, der nun in Pfaffenhofen bei München lebt, machte sie dem Museum zum Geschenk.

Schon 1995 hatte Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner, Direktorin der Städtischen Museen, eine Ausstellung mit Bildern und Zeichnungen des Künstlers nach Frankfurt geholt. Leider werden die Werke erst nach 2003 zu sehen sein. Bis dahin ist das Museum an Ausstellungen gebunden.

Schon ein erster Blick auf die Bilder, die allesamt aus dem Jahr 1992 stammen, lässt auf eine bewegte Biographie des Künstlers schließen.  Da  ist immer  wieder  eine  Posaune  abgebildet.  Immer

Gil Schlesinger

wieder aus anderem Blickwinkel, immer wieder auf besondere Weise verbogen. Auch der Titel der Serie unterstreicht ein Auseinandersetzen mit der Geschichte und aktuellen Zeitbezügen:
"Gegen Krieg und Fremdenhass". Die Namen "Mölln", "Sinti" und "Sarajewo" sind auf Bildern zu lesen. Die Farbpalette ist sehr breit.

"Auf dem einen Bild stelle ich Assoziationen zu rohem abgezogenen Fleisch her", sagt Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner, die sich um die Bilder bemüht hat und sehr stolz darauf ist, dass sie nun dem Museum gehören.

Sie hat sich auch mit dem biblischen und philosophischen Hintergrund der Malereien und Zeichnungen auseinandergesetzt. Die Frage steht im Raum: Meint der Maler hier die Posaunen von Jericho, die nach biblischer Tradition die Stadtmauern zum Einsturz gebracht haben oder doch eher eine der sieben Posaunen, die in der Johannesoffenbarung zum Weltgericht blasen? Die Biographie des Malers unterstreicht eine religiöse Prägung, die auch in sein Werk eingeflossen ist.

1931 in Aussig an der Elbe (Tschechoslowakei) geboren wuchs Schlesinger im musisch intellektuellen Klima eines freisinnig jüdischen Elternhauses auf. Er kam mit 17 Jahren nach Israel. Dort arbeitete er in den Kibbuzim Dorot und Kisarja, anschließend lebte er in Haifa, Tel-Aviv und Jerusalem. Er erlebte jüdische Religion und jüdisches Denken. Dort begann er auch künstlerisch zu arbeiten.

1955 ging er in die DDR. In Eisleben arbeitete er in einer Schuhfabrik, bevor er 1956 als Theatermaler in Anklam und Dessau aktiv wurde. Von 1960 bis 1962 besuchte er die Fachschule für angewandte Kunst/Theatermaler in Leipzig. Nachdem er dort und in Meiningen sechs Jahre lang als Theatermaler gewirkt hatte, machte er sich selbständig.

Doch 1980 hatte er genug vom System, ging nach München. Dort hat er nun in Pfaffenhofen sein Atelier. "Schon zu DDR-Zeiten war der Besuch seiner Ausstellungen in Leipzig ein Geheimtipp für Künstler und Kunststudenten" erzählt Brigitte Rieger-Jähner. "Er ist nicht dem üblichen Trend in der DDR gefolgt und hat dann wie andere Künstler auch den Ausreiseantrag gestellt. Für ihn war das alles viel zu eng. Er konnte keine Originale an Weltkunst sehen. Die winzige DDR war für Schlesinger eine Katastrophe", erklärt sie.

Zu den Bildern kommen noch 15 Tuschezeichnungen aus dem Jahre 1981. Diese sind nicht illustrativ gestaltet, sondern erzählende Mythen, geometrische Grundformen und eine Vielfalt an Zeichen, die an geschichtsträchtige Symbole denken lässt, sind es, die ein Dialog der Formen ermöglichen.

"Aber unabhängig von allen Erklärungsversuchen besitzen diese Arbeiten durch die vitale Form und brillante Gestaltung einen so hohen ästhetischen Reiz, dass sie im Sinne des Künstlers anregend und spannend wirken und dem Betrachter eine abenteuerliche Entdeckungsreise bieten in sein eigenes Innenleben", erklärt die Museumsleiterin.

Foto: H.- Peter Maihold

 

Frank Bürger - MOZ vom 30.Juli 2002

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