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WILLY WOLFF (1905 - 1985)

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Kinderbett · 50er Jahre
Feder, Tusche · 28, 7 x 43, 2 cm
bez. r.u. Wolff, erworben 1980

Bedrückend düster und bedrohlich mutet die Atmosphäre auf dem Blatt »Kinderbett« an. Tote Gegenstände treiben hier, durch den Künstler zum Leben erweckt, ihr böses Spiel. Dem Bett könnte dabei die Rolle einer uneinnehmbaren Festung zukommen, deren Funktion im Verwahren und Wegschließen besteht. Im Dialog hierzu scheint der Stuhl davor die Aufsicht über das imaginäre Geschehen zu führen, welches an die Flucht einer amöbenartig sich davonschleichenden monströsen Decke erinnert. Der Ball im Bildvordergrund dagegen fristet, unbeachtet von allen, sein trostloses Dasein.

Auch hier handelt es sich um eine gestalterische Metamorphose, die als generelles Schaffensprinzip des Künstlers angesehen werden kann. Die Dominanz der Diagonale, verbunden mit dem Kontrast von Hell und Dunkel eines dichten Gewebes feinster Striche, sorgen in den unterschiedlichsten Bündelungen für eine beunruhigende, surreal hintergründige Wirkung. Verstärkt wird diese noch durch die Untersicht, die das Darzustellende monumentalisiert. Es sind neue, formale Bezugsebenen, welche den Bedeutungszusammenhang von einst konterkarieren. Durch diese hat der Künstler den simplen Gegenständen die Unschuld genommen und so mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit gewöhnliche Alltagsgegenstände ins Außergewöhnliche verwandelt. Dabei ist es unerheblich, ob es sich nun um Kinderspielzeug, Stecknadeln und Knöpfe handelt oder ob Wolff den Türpfosten am Wege ebenso wie die Krähe auf der Baumspitze darstellt.

Während sich das Hauptaugenmerk des Künstlers vor 1950 auf die Malerei richtete, stand danach bis zur Mitte der 60er Jahre die Zeichnung im Mittelpunkt seines Interesses. Bis 1954 waren es vor allem Pinsel und Rohrfeder, in den anschließenden 6 Jahren fast ausschließlich die Feder, mit der Wolff in äußerster Präzision den Dingcharakter des Darzustellenden sowohl in ironischem als auch in beängstigendem Unterton hervorhob. Das Fundament für diesen Zeichenstil wurde in nicht unwesentlichem Maße durch seine Ausbildung in den 20er und 30er Jahren bei Richard Müller und als Meisterschüler bei Otto Dix gelegt. Aber auch die Reisen 1957 und 1958 nach London und Mittelengland waren sowohl für seine Malerei als auch für die Arbeiten auf Papier von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Zu jener Zeit begann sich in England wie in den USA die Pop-Art herauszubilden. Willy Wolff ließ sich sowohl inhaltlich als auch formal von dieser Stilkategorie anregen, um eine eigene, sächsische Variante hierzu zu entwickeln.

Doch ob es 1960 bis 1962 Ritterhelme waren, die er als Führungsassistent in den Dresdner Kunstsammlungen bewunderte, sie zeichnend analysierte und dabei immer stärker vereinfachte, oder die von 1963 bis 1964 entstandenen nonfigurativen Strukturen, seinem Naturell entsprechend war der Künstler immer wieder offen für neue Inspirationen und wagte auch gestalterisch darauf bezogene Neuanfänge. So entstanden neben den Zeichnungen und Grafiken Gemälde, aber auch Sandstein-, Holz- und Marmorplastiken sowie Assamblagen und Objekte. Diese vom Material her scheinbar so gegensätzlichen Werkgruppierungen weisen als verbindendes Element ein ironisch spielerisches Moment auf, das sich immer mit der Solidität der handwerklichen Ausführung paart. So offenbart sich dem Betrachter ein von Vorbildern unabhängiges, eigenständiges Werk, das durch die Ambivalenz von Poesie und Nüchternheit in der Vielfalt des Geschaffenen unvergesslich bleibt.

Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner

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