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MAX UHLIG (1937)

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Zu dritt · 1981/83
Lithografie 3/6 · 69,3 x 78,4 cm · 54,4 x 64,7 cm
bez. l.u. III/VI;  zu Dritt; Uhlig 81/83 · erworben 1986

Das Zeichnen spielte im Schaffen von Max Uhlig von Beginn an eine bestimmende Rolle. Die Geschmeidigkeit der Hand hatte der junge Dresdner bereits während seiner dreijährigen Lehrzeit als Schrift- und Schildermaler trainieren können. Doch das manuelle Abarbeiten von Vorgegebenem, wie es von ihm als Schriftzeichner an der Technischen Universität gefordert wurde, konnte den 17-Jährigen nicht befriedigen. So nahm er von 1955 bis 1960 ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden im Fach Grafik auf und führte dieses durch eine dreijährige Meisterschülerzeit an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin bei Hans Theo Richter fort. Die ständig währende Ermutigung durch Max Schwimmer, verbunden mit der Strenge und Konsequenz des Unterrichts bei Richter, waren optimale Bedingungen für den Studenten. Darüber hinaus bestätigte nicht nur das künstlerische, sondern auch das menschliche Vorbild Richters den jungen Künstler. So kam der Lehrer seinen Forderungen an die Studenten, zu formen und zu vergeistigen, in der eigenen Arbeit unabhängig vom politischen Geschehen nach und besaß darüber hinaus eine »gute kleine Sammlung von Graphik der klassischen Moderne«.145 Diese Kunst, »die es öffentlich in der DDR um diese Zeit ja gar nicht zu sehen gab«146 wie die Grafik der »Brücke«- Künstler oder Blätter von Munch, Kokoschka und Beckmann, lernte der Student so kennen. Hier ging es um »das Wahrhaftige, Künstlerische«147 erkannte Uhlig und diesem Bewertungsmaßstab fühlte auch er sich verpflichtet. Um ihn unabhängig von politischen Forderungen umsetzen und zugleich kontinuierlich grafisch arbeiten zu können, erwarb er 1964 eine Steindruck- und ein Jahr später eine Kupferdruckpresse, mit der er bis 1979 auch für Künstlerkollegen tätig war.

Kontinuierlich forderten Mensch und Natur in der Malerei wie in seinen Radierungen und Lithografien den Gestaltungsdrang des Künstlers heraus. Während Uhlig in den Sommermonaten auf Usedom und Rügen, aber auch in Chorin und Penzlin seine Landschaftsmotive fand, entstanden im Winter vor allem Figurenbilder. Doch obwohl er unmittelbar vor dem Darzustellenden arbeitete, zeichnete er dieses nicht kopierend nach, sondern schuf angeregt vom Gesehenen seine subjektive Aussage hierüber. Über den Arbeitsprozess schreibt Uhlig: »Beim langen Anblick teilen sich rhythmische Spannungen mit, wird scheinbar Gewohntes neu entdeckt, urtümlich unbegrenzt fesselnd… Je häufiger ich in diesen Zustand ›vor der Natur‹ geraten konnte, umso mehr verlor sich jeder andere mir direkt bewusste Einfluss… So wird mir Gesehenes zum Ereignis, wird das Niederschreiben Notwendigkeit, so werden auch die Versuche nach scheinbar Gleichem, nach Köpfen, Halbfiguren, vegetativen Landschaften zu Erkundungen, und bisher emanzipierte sich das alles.«148 Diese gestaltende Emanzipation wird bereits ab 1964 bei seinen grafischen Bildnissen ebenso erkennbar wie bei den zahlreichen Porträts von Künstlerkollegen, bei denen es Uhlig immer wieder gelang, das Prägende der Person hervorzuheben. Die Charakterisierung des Einzelnen treffen wir auch bei der Lithografie »Zu dritt« (1981/83) an, wo sich in kraftvoller Modellierung das Kopf-, Brust- und Hüftstück sehr unterschiedlicher Persönlichkeiten im Kontrast zu dem neutralen Weiß des Blattgrundes herausbilden. Ihre Selbstständigkeit und Einmaligkeit bewahrend, haben sich die Dargestellten zu einem gleichberechtigt spannungsvollen Beieinander zusammengefunden. Diesem inhaltlichen Aspekt entspricht die offene Form eines in sich differenzierten plastischen Gesamtgebildes. Die das Blatt bestimmende antiklassische Komposition sorgt mit der Betonung der Diagonalen ebenso wie das expressive Liniengeflecht mit seiner herausformenden Verdichtung des Einzelnen für das spannungsvolle Miteinander. Kräftig schwingende, fließende Linien sowie locker gesetzte Striche und ihre verdichtenden Bündelungen fügt

der Künstler zu einer rhythmischen Ordnung, die sowohl eine eigenständige zeichnerische Sprache spricht, zugleich aber auch erkennbare Wirklichkeit für den Betrachter nachvollziehbar macht.

Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner

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