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KARIN SAKROWSKI (1942)

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Stundenköpfe, I–XII · 1996/97
Acryl · 73 x 53 cm
bez.177 · Dauerleihgabe der Sparkasse Oder/Spree

Betrachtet man die Bilder und Zeichnungen von Karin Sakrowski, fühlt man sich sofort an den Begriff der »Berliner Schule« erinnert. In der DDR verstand man hierunter u. a. das Schaffen von Künstlern wie Lothar und Christa Böhme, Wolfgang Leber und Hans Vent. Diese verband miteinander, dass sie unabhängig vom staatlich geförderten Kunstgeschehen unspektakulär das existenzielle Sein von Mensch und Natur mit hohem malerischen Raffinement darzustellen vermochten. Darüber hinaus waren sie auf Grund ihrer Lebens- und Kunsthaltung auch freundschaftlich miteinander verbunden. Obwohl das Werk von Karin Sakrowski durchaus gravierende Anknüpfungspunkte mit den Arbeiten der genannten Berliner Künstler aufweist und sie deren Generation angehört, blieb die Künstlerin dennoch eine Außenstehende in diesem Kreis. Einer der Gründe hierfür mag darin zu sehen sein, dass sie im Vergleich mit jenen erst relativ spät, d.h. im Alter von 34 Jahren mit der eigenständigen künstlerischen Arbeit begann. Vielleicht resultiert hieraus ihre von Anbeginn stattfindende und bis heute anhaltende persönliche und künstlerische Selbstbefragung. Dabei diente ihr die sprachliche Reflexion sowohl für den gedanklichen Klärungsprozess vor Beginn des Schaffens häufig auch als dessen Auslöser. So bekennt Karin Sakrowski: »Die malerische Untersuchung von Auflösung und Wiedergewinnung der Figur als selbstbildhafte Sinnsuche im Verhältnis zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bleibt dabei mein zentrales Thema.«178

Auch wenn sich ihr Werk nach dem Zusammenbruch der DDR veränderte und von nun an eine intensivere Farbigkeit, verbunden mit der Komprimierung der Form, aufweisen sollte, wesentliche Elemente prägten es einst und jetzt. Das wird auch an ihrer Folge von »Stundenköpfen« erkennbar. So weisen auch diese Zeichnungen auf ihren Anspruch als Malerin hin. Auf den strukturell durchmodellierten farbig intensiven Grundflächen hebt sich eine abstrahierte Kopfform ab. Diese sind jeweils sich fortschreibenden Tagesstunden zugeordnet. Es ergibt sich so ein Polyptichon, das ein vielfältiges Spektrum von Assoziationen zulässt. »Da ist es mir, glaube ich, gelungen, allgemeine Assoziationen zu unserem Alltag bei der Betrachtung zu erzeugen. Nimmt man sich z.B. zu ernst oder etwa die verlorene Zeit? Trotzdem hat jedes Blatt auch seine gute Stunde, jeder Kopf auch seine Würde. Es sollte sich jedes der zwölf Teile zum Ganzen als Einzelnes gleichberechtigt verhalten, wie ich es ja auch auf meinen Bildern anstrebe«,179 bekennt die Künstlerin. Durchdrangen sich auf ihren Stadt- und Figurenlandschaften seit jeher Innen- und Außenraum, wobei die Grenzen zwischen Natur und Architektur aufgehoben sind, wurde dieses Prinzip der Konzentration auf das Wesentliche bei den »Stundenköpfen« auf die Spitze getrieben. Einbezogen in ihre Umgebung sind sie zugleich auf sich selbst bezogen in ihrem stilllebenhaften Sein. Die Kopfform, der die Künstlerin ob in der Malerei oder Grafik, aber auch in der Skulptur besondere Bedeutung beimisst, rückt hier in den Darstellungsmittelpunkt. Nicht zuletzt mag eine der Gründe hierfür darin bestehen, dass sich im Kopf unser eigentliches Leben abspielt, was uns die Welt so differenziert sehen, werten und erleben lässt.

Eine geheimnisvoll facettenreiche Bildwelt, die zwischen Momentanität und Vergänglichkeit, Ironie und Melancholie angesiedelt ist, tritt dem Betrachter in den Werken der Karin Sakrowski entgegen, die die Künstlerin durch ihr gestalterisches Können immer wieder zu bändigen weiß.

Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner

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