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HELGE LEIBERG (1954)

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Ohne Titel · 2001/04
Tusche, Kreide · 75 x 106 cm ·  Verso · erworben 2004

Fragile schwarze und dennoch kraftvolle androgyne Körper haben die Fläche des Blattes in Besitz genommen. Sie drängen das Weiß des Grundes, der zugleich den Gestaltungsraum bildet, durch ihre ekstatisch raumgreifenden Bewegungen im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintergrund. So wird die scheinbare Schwerelosigkeit des sich vom Boden abhebende Springenden durch die Bodenhaftung der Figur mit Krücke, welche diese ebenso rahmt wie das Körpersegment eines Hüftgelenks, noch betont. Die Konzentration auf wenige ungebrochene Farben, hier sind es Rot und Schwarz, verleihen der Darstellung eine signalhafte Wirkung. Taschistische220 Spritzer und zarte Linien begleiten die Bewegung der Figuren punktuell und tragen zur Ornamentierung des Bildgefüges bei. Ob hockend, liegend, kniend oder springend, auf die Momentanität der Bewegung und vor allem auf ihre Musikalität konzentriert sich die Bildaussage. So überrascht es auch kaum, dass man vom Künstler erfährt, dass ein wesentlicher Teil seiner Arbeiten im Zusammenhang mit dem Tanz und in Beziehung zur Musik entsteht. Das Empfinden für Rhythmik, für die Ausgewogenheit von Dissonanzen und Harmonien in der Vielfalt der Klangfarben, das sich in seinen bildkünstlerischen Arbeiten widerspiegelt, konnte er bereits 1979 bei Auftritten mit einer Malerband freier Musik im Zusammenspiel mit Michael Freudenberg und A. R. Penck als Saxophonspieler ausleben. Aber auch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Gitarristen und Komponisten Lothar Fiedler sowie die Untersuchungen zur Wechselwirkung von Musik und Malerei bestätigten ihn beim Malen und Zeichnen. Dennoch blieb sein Werk immer eigenständig, von seiner mentalen Befindlichkeit geprägt. So zeigt sich an einem Vergleich mit dem Strukturkonzept von A. R. Penck, bei Leiberg bildet nicht der Intellekt, sondern vielmehr die Emotion die Gestaltungsgrundlage. Seine Figuren sind so organoide Gebilde, die ihrem momentanen Gefühl durch Gestik und Bewegung Gestalt verleihen. Demzufolge übermitteln sie auch keine Botschaft, sondern feiern ihr kreatürliches Sein, sind sich aller ihrer Sinne bewusst und werden von ihnen bestimmt.

Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner

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