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EUGEN HOFFMANN (1892 - 1955)

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Opfer des Faschismus (Weiblicher Häftling) · o.J. (1946)
Aquarell · 67 x 45 cm 
unbez. · erworben 1972

Begeistert schrieb bereits 1920 Paul Ferdinand Schmidt über die Skulpturen und Grafiken des 28-jährigen Eugen Hoffmann, dieser habe »mehr als alle durch sein Können und die überlegte Wucht seines Formenwillens überzeugt.«36 Die Gestaltungsweise des Künstlers, die durch eine intensive Farbigkeit, verbunden mit der Expressivität der Form, bestimmt wurde, trug neben dem politischen Bekenntnis des jungen Kommunisten mit zur Verfemung im Nationalsozialismus37 bei. Diese Verunglimpfungen, verbunden mit einem Arbeits- und Ausstellungsverbot sowie die Angst um seine jüdische Frau, ließen ihn 1938 von Prag über Polen nach England emigrieren. Unterstützung bei der Flucht erhielt er von Oskar Kokoschka, der von 1919–1924 als Professor für Malerei an der Dresdner Akademie tätig war und bereits aus der 1. Personalausstellung Hoffmanns 1919/20 in Dresden eine Skulptur des jungen Künstlers erworben hatte.

Im Frühjahr 1939 in England angekommen, erschien Eugen Hoffmann nach den erlebten Schrecken »die grüne Insel… beinahe paradiesisch«38. Doch obwohl er auch innerhalb dieses Landes viele Male den Lebensort mit dem inzwischen Geschaffenen wechseln musste, entstanden Holzplastiken39 sowie unzählige Aquarelle. Größtenteils legten sie Zeugnis von der Angst der Betroffenen bei den deutschen Luftangriffen in den Jahren 1940–44 auf die englischen Städte ab. Das »Elend der schutzlosen Menschen, die Vernichtung des Lebens und seine Verwüstung«40, die Hoffmann tausendfach erlebte, wurden sein Thema. Ob er Selbstbildnisse schuf oder die Mütter mit ihren Kindern bzw. die sich zufällig zusammengefundenen kleinen Menschengruppen in den Untergrundbahnschächten darstellte, mit Tusche, Aquarellfarbe und Stift hielt Hoffmann die Not und den Schrecken des Flüchtlingsdaseins als Reflexionen des eigenen Erlebens fest. So entstanden visionäre Blätter von Intensität und Empfindsamkeit. Die Vehemenz der Farben sowie die Lockerheit und vibrierende Spannung des Duktus, verbunden mit der Dramatik des kompositionellen Gefüges, bestimmen dabei die Arbeit des Künstlers.

1946 aus dem englischen Exil nach Dresden zurückgekehrt, trat von nun an bei Eugen Hoffmann die Bildhauerei in den Vordergrund. Innerhalb des grafischen Schaffens entstanden vor allem Bildhauerzeichnungen, die neben dem Thema Demonstration Ideen für Mahnmale zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens und die Opfer des Nationalsozialismus beinhalten. Gerade in der Technik des Aquarells sind aber in diesem Zusammenhang hervorragende künstlerisch eigenständige Blätter wie z.B. »Opfer des Faschismus« (1946) hervorzuheben. Auch für die Darstellung einer weiblichen Figur, die durch das rote Dreieck als politischer Häftling ausgewiesen ist, wählte der Künstler wie in der Vorkriegszeit die weiche ovale Rundheit des Kopfes als Grundform und Hauptausdrucksträger seiner Gestaltung. Vitalität und Mütterlichkeit verbunden mit Lebenswillen könnte die Botschaft des Blattes lauten. Dagegen spricht die zurückgenommene fahle Farbigkeit des in sich ruhenden Antlitzes, das in seiner Sensibilität schemenhaft unwirklich erscheint. Im Gegensatz dazu steht das intensiv wirkende Braun der Haare, welches in Zusammenhang mit dessen dramatisch unruhiger Formulierung auch den Hintergrund des Blattes prägt.

1947 wurde Eugen Hoffmann zum Professor für Bildhauerei an der Dresdner Akademie benannt. Doch bereits wenige Jahre später wurden die klassische Moderne und die sich an ihr orientierenden Künstler als dekadent stigmatisiert und aus der Hochschullehre ausgegrenzt. Als Folge dieser dogmatischen Haltung nach stalinistischem Vorbild wurde der Künstler 1953 ähnlich wie Wilhelm Lachnit aus der 3. Kunstausstellung ausjuryiert und verlor 1954 sein Lehramt. Werke aus der Emigration sind zu seinen Lebzeiten nicht gezeigt worden, ebenso fand keine Personalausstellung statt. Aus Verzweiflung zerstörte der Künstler Teile seines Werkes. Er starb vereinsamt am 1.7.1955 in seiner Heimatstadt Dresden.

Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner

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