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ERNST HASSEBRAUK (1905 - 1974)

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Stillleben mit neapolitanischer Kanne · um 1960
Mischtechnik · 42,1 x 58,8 cm
bez. r.u. Hassebrauk · erworben 1973

Fritz Löffler, der wie kaum ein anderer mit der Geschichte der Stadt, ihrer Architektur, vor allem aber auch mit den Künstlern verbunden war, bezeichnete Ernst Hassebrauk zu Recht als den »großen Liebenden Dresdens, der den Hymnus auf Dresden malte und seine Bilder einmal »ein ›Hobby aus Liebe‹ nannte«.87 Nicht zuletzt entstanden auf dieser mentalen Grundlage Gemälde und Druckgrafik sowie gleichberechtigt hierzu Aquarelle, Pastelle, Gouachen und Zeichnungen.

1905 in der Elbmetropole geboren, sollte Ernst Hassebrauk bis zu seinem 33. Lebensjahr zwischen seiner Heimatstadt und Leipzig pendeln, bis er sich endgültig für Dresden entschied. Doch es war nicht allein der Dualismus in der Liebe zu diesen beiden Städten, sondern zugleich paarte sich die Freude am eigenen künstlerischen Tun mit seinem kunsthistorischen und pädagogischen Interesse. So schloss Hassebrauk beide Ausbildungen, die er bereits in Dresden parallel als Kunstlehrer an der Technischen Universität und als bildender Künstler an der Kunstgewerbeakademie absolvierte, in Leipzig 1932 ab. Hier hatte er sowohl an der Akademie für Grafische Künste und Druckgewerbe studiert als auch an der Leipziger Universität.88

Die Verbindung von kunsthistorischem mit künstlerisch gestalterischem Interesse wird bei Hassebrauk erstmals 1928 an Radierungen erkennbar, in denen er sich mit Arbeiten von Anthonis van Dyck, Jan Livens, Jean Ingres und Manet auseinandersetzt. Die Adaptionen nach Kunst verschiedenster Zeiten und Gattungen sollte eines seiner zentralen Themen bleiben. So arbeitete er bereits ab 1955 nach Vorbildern in Museen und Sammlungen in Berlin, Hamburg, Nürnberg, Budapest und Prag. Als Generalzündung für sein Schaffen ist jedoch die Rückführung deutscher Kunstschätze aus der Sowjetunion im Jahre 1958 anzusehen. Noch während des Auspackens hielt der begeisterte Hassebrauk mit Feder und Pinsel die Kunstgegenstände der Renaissance, des Manierismus und des Barock fest, die später im Grünen Gewölbe, in der Porzellansammlung oder im Historischen Museum ihren Platz finden sollten. Besonders zum Barock mit seiner Pracht und rauschenden sinnlichen Fülle sowie seinen theatralischen Elementen und der Eleganz des Rokoko besaß die Mentalität Hassebrauks eine Affinität. So berichtete Erhard Göpel: »Er lernte barocke Formen geradezu auswendig, bis er sie in konzentrierter Form, in einer Rocaille, einer Muschel von wilder Sinnlichkeit durchspült, darzustellen vermochte.«89 In dieser wilden Sinnlichkeit, bei der sich barocke mit expressiven Momenten vermischten, sind sowohl seine Hafenbilder, Veduten und Elblandschaften, seine Blumen- und Porzellanstillleben ebenso wie seine Portraits gehalten. Nicht zuletzt sind es seine Stillleben, die in ihrer Vitalität und Pracht nicht allein ein Fest fürs Auge bilden. Für Fritz Löffler sind sie zu Recht »am charakteristischsten für das Malwerk Hassebrauks«, bei dem man »die Künstlerpersönlichkeit am unmittelbarsten kennenlernen«90 könnte.

Das »Stillleben mit neapolitanischer Kanne« schuf Hassebrauk im Alter von 55 Jahren. Wie auf vielen anderen Blättern ist auch hier die querformatige Bildfläche überreich mit Früchten und einer wundervollen Kanne auf farbig drapiertem Grund gefüllt. Trotz der Turbulenz der Formen besitzt das Blatt keine zeichnerische Grundkonzeption, dennoch wird bei ihm wie auf allen Arbeiten Hassebrauks die klar durchdachte Komposition erkennbar. Sie wiederum hält die berstende Farbopulenz in Zaum, die sich von kräftigen Violett- und Pinkvariationen über die Vielfalt von Blauabstufungen erstreckt und stakkatohaft unterbrochen wird durch Gelb und Kremser Weiß. Die verschiedenen Malmaterialien, das Aquarell, die Gouache und das Pastell mit ihrer unterschiedlichen Farbdichte und Struktur, werden auch hier für die Gestaltung genutzt. Sie fügen sich zu einer Farb- und Formsymphonie zusammen, die den Glanz und Reichtum des »alten Dresden« ahnen lässt.

Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner

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