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RATHAUSHALLE / FESTSAAL
MARKTPLATZ 1
21.04.2013 - 16.06.2013

SPIEL OHNE GRENZEN
ERIKA STÜRMER-ALEX

Malerei, Objekte von 2003 bis 2013

ZUR BIOGRAFIE VON ERIKA STÜRMER-ALEX

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Erika Stürmer-Alex (1938), Lietzen, Anmut und Stille (Das Bild entstand anlässlich einer Ausstellung 2006 für die Stirnwand des Ausstellungsraumes im Schul- und Bethaus Altlangsow (Schinkelbau)) , 2006, Tusche, Acrylfarben auf Zeichnungskarton; 160 x 437 cm, Foto: Heike Mildner

Das Museum Junge Kunst zeigte bereits in den Jahren 1991 und 2004 Bilder, Objekte  und Installationen von Erika Stürmer-Alex. Jetzt  zu ihrem 75. Geburtstag gibt es in der Rathaushalle des Museums die Möglichkeit, sich ihren Collagen, Objekten und Malereien aus den letzten 10 Jahren zu widmen. Die Raummaße des Ausstellungsortes verführen dazu, aus dem stilistisch vielseitigen und inhaltlich  vielschichtigen Werk vor allem großformatige Malereien, Collagen  und Objekte auszuwählen. Dadurch wird eine Besonderheit ihres Schaffens raumgreifend präsent, das spielerische Umgehen mit Dekor, Zeichen, Figur und  ihre Lust am Erstellen von Bilderfolgen - und die damit einhergehende  Variationen des einmal sich gesetzten Formenrahmens. Dafür nutzt sie Fundstücke, Schablonen, Farbwalzen, bedruckte Werbefolien oder Fototapeten. Zudem entdeckte sie in den letzten Jahren ihre Vorliebe für quietschbunte Plastikspielzeuge, für Gerätschaften aus dem Buddelkasten und vom Baumarkt. Daheraus ergeben sich totemhafte Objektstelen oder  verspielte  Kombinationen des Heiteren und des Surrealen. So scheint die Künstlerin die Paradiespforte zum spielenden Kind gefunden zu haben - aber ihr Empfinden für Proportionen, Rhythmen  und Raumbeziehungen gingen dabei nicht verloren.

Fotos von der Ausstellungseröffnung am 21. April 2013 in der Rathaushalle; Fotos Michael Benk

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Diese Arbeiten bilden farblich einen starken Kontrast zu den gezeigten Bildern in der davor liegenden Rathaushalle. Hier sind ihre Malgründe oftmals selbst schon mit ihren Mustern und Strukturen Motivgeber und –anreger für das weitere Vorgehen. Florales, Geometrisches, Geomorphes oder Minimalistisches sind farblich anzusiedeln im Bereich von Zwischentönen und feinen Nuancierungen. Das postmoderne Gleichsetzen von Vorhandenem und Neuem, von Ironischem und  Dramatischem klingt an. Zudem sind einige Objekte und Bilder zuvor in einem konkreten konzeptionellen Zusammenhang vorgestellt worden. So zum Beispiel gehörte die „Torte“ zu dem Projekt "Happyland", welches 2003 vom Verein "SW Endmoräne e.V." in den leer stehenden Räumen der Scharrnstraße in Frankfurt (Oder) initiiert wurde. Im Schinkeljahr 2006 stellte die Künstlerin im Schul- und Beethauses in Altlangsow  (Schinkelbau) die wandfüllende Zeichnung „Anmut und Stille“ zusammen mit dem aus Fundstücken gebauten Objekt "Gras" vor. Die Zeichnung bezieht sich ironisch und zugleich vielschichtig auf das Zusammenbauen von heutigen Möbeln - und setzt diese marketingmäßig boomende "Do-it-yourself-Mentalität" in den geistigen Kontext des Preußischen Baumeisters, Künstlers und Designers Karl Friedrich Schinkel (1781-1841). Die Abformungen von Abformungen antikisierender Büsten aus dem Park der Villa Massimo in Rom, dort hatte sie 1993/94 ein Stipendiat, sind unter dem Titel „Strom der Geschichte“ auch schon in einem anderen Kontext gezeigt wurden. Für mich als Kurator war es deshalb interessant zu sehen, ob diese und auch die anderen Arbeiten von ihr, die oftmals in dichter Fülle und in einem thematischen Kontext gleich Chorsängern in den vorangegangenen Projekten und Ausstellungen agierten, als Solisten  bestehen können.

Ihr Umgang mit verschiedenen Techniken und das „Sprechen“ in unterschiedlichen Medien ähnelt der heutigen, als postmodern zu bezeichnenden Arbeitsweise, bei der  alles als einmal schon vorhandenes Zeichen und Bild angesehen wird. Der Künstler kann  demnach Bilder und Zeichen nicht mehr neu erfinden, er kann sie nur  neu anordnen oder  anders interpretieren. Das  Wahrnehmbare wird als vereinbartes, sprachliches oder  bildliches Zeichen für Welt verstanden. Das Bild deutet   mit seiner Textur auf das Abgebildete selbst und so wiederum auf vorherige Bilder von Abbildern.  Es  dreht sich gewissermaßen um seine eigene Achse.  Es  kann nicht mehr aus dem Kreis ausbrechen, um  auf etwas Anderes zu deuten. Aus diesem Verständnis heraus ist zwar die Vorgehensweise von Erika Stürmer-Alex, als vielleicht sogar unbewusste postmoderne Taktik zu sehen. Als  postmoderne Künstlerin ist sie dennoch nicht fassbar. Da das Wesen ihres Kunstwollens und –könnens, das spielende Suche und suchende Spielen  auf etwas, das sich   außerhalb des Bildes befindet, ausgerichtet ist. Diese Kategorien können sich sowohl im zutiefst Existenziellen wiederfinden, als auch in der Freude am Spiel mit dem Ornament  - oder wie in den jüngsten Plastikobjekten und Collagebildern ersichtlich, das Fabulierende und Experimentelle betonen.
Es gelingt ihr eine Bildvorstellung zu verwirklichen, die gerade wieder bei den  Jüngeren immer beliebter wird: Die Einbeziehung von Formensprachen aus den Bereichen der E- und U-Kultur, das Nebeneinandersetzen von Dekor und Abbildhaften – ohne dass es im Trash oder  im Sarkasmus untergeht.

Die Malerin hat seit dem Abschluss ihres Studiums an der Kunsthochschule Berlin Weißensee einen künstlerischen Weg zurückgelegt, der  sich aus dem Geist der klassischen Moderne, dem der Nachkriegsmoderne und, wohl eher intuitiv, aus dem der Postmoderne speiste. Ein Kreis von Gleichgesinnten während der Studienzeit, unter ihnen auch Robert Rehfeldt (1931-1993) und Dieter Tucholke (1934-2001), bestärkten sie auf ihrem Weg. Doch wesentlicheren  Einfluss hatte der leider zu wenig bekannte Maler Herbert Behrens-Hangeler (1898-1981). Er war zusammen mit Kurt Robbel (1909-1986)  ihr   Lehrer an der Hochschule für bildende und angewandte Künste in Berlin-Weißensee. Zudem nahm sie Anregungen des  deutschen Expressionismus, der Nachkriegsabstraktion und der  Pop Art auf.

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Neben der Nutzung von vielfältigen künstlerischen  Techniken, im Laufe ihrer über 50 jährigen Kunst- und Lebensarbeit, baute sie  Objekte und  Installationen, führte Kunst  am Bau und in öffentlichen Räumen aus, setzte Stadtzeichen in triste Neubaugebiete,  nahm an Gruppenarbeiten teil, besetzte mittels ihrer Kunst Nichtkunsträume in urbanen Peripherien,  versinnbildlichte soziale und biografische Spuren und  leitete Workshops – und noch viel mehr ließe sich aufzählen. Sie  nutzte und nutzt ästhetische Prinzipien des Medialen, je nach konzeptioneller Strategie. Stilistisch ist sie wohl deshalb nicht auf einen Nenner zu bringen. Sie war und ist stets daran interessiert, auch zusammen mit anderen Künstlern und Künstlerinnen, den Mythos von einer momentanen Einheit zwischen Kunst und Leben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Text/Kurator: Armin Hauer

Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur
des Landes Brandenburg und der Stadt Frankfurt (Oder)


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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