zurück

z u r ü c k


PACKHOF DES MUSEUMS
C.-PH.-E.-BACH-STR. 11
08.10.2017 - 26.11.2017

DIRK HEERKLOTZ
Skulptur, Zeichnung, Malerei

Dirk Heerklotz (1969), Dresden

Eröffnung am 08. Oktober 2017 um 11 Uhr, PackHof Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11




Dirk Heerklotz (1969), Dresden
ohne Titel, 2012, Glas, Polyurethan, PVC, Holz, Lack, Ölfarbe; 84 cm, Bildrechte Künstler, Foto: Dirk Heerklotz


 

Der Bildhauer und Maler Dirk Heerklotz (*1969) zeigt über 90 neue und einige ältere Werke im Packhof in Frankfurt (Oder). Die Malereien und Zeichnungen stehen in farblichem Kontrast zu seinen meist koloristisch reduzierten und schwarzen Skulpturen. Dirk Heerklotz, der in Dresden lebt und arbeitet, bespielt die sechs Räume teilweise raumgreifend und entwirft einen ganzheitlichen Bildraum.

Die bevorzugten Materialien von Dirk Heerklotz sind in jüngerer Zeit Holz, Pappe und Farbe. In den vorangegangenen Werkgruppen waren es vorrangig buntfarbige Kunststoffe, Fundstücke und Hölzer aus dem Baumarkt. Sein jetzt verwendetes Material verweigert sich einer koloristischen Offensive, die er im Kunst-Mainstream wahrnimmt.

Nach seinem Empfinden wird dort alles größer, schriller und lauter. Er setzt etwas dagegen, bewegt sich wie seit Jahren bereits entgegen dem Mainstream und „dimmt“ den Farbpegel im Raum. Im kontrastreichen Dialog dazu geben sich die Bilder farblich freizügiger und vitaler.

Die Malerei geschieht aus dem Unterbewussten heraus. Ahnungen an Mythisches werden wach, fragmentierte Realitätsbezüge tauchen auf, Pflanzen, Tiere, Menschen sind assoziierbar - Zeichenhaftes kann sich hinzu gesellen. In kleinen Ölbildern stellt er Porträts vor, die sehr intim und persönlich wirken.

Dirk Heerklotz(1969), Dresden
Mehr Mauerhaus als Kirche, 2017, Papier, Styropor, Farbe; 78 x 43 x 34 cm, Foto: Dirk Heerklotz

Dirk Heerklotz(1969), Dresden
o.T., 2017, Holz, 81 x 47 x 50cm, Foto: Dirk Heerklotz

Dirk Heerklotz(1969), Dresden
o.T., 2017, Holz, Farbe, 74 x55 x 33 cm, Foto: Dirk Heerklotz

Die Skulpturen von Dirk Heerklotz schöpfen ihre faszinierende Formenvielfalt aus verschiedenen Quellen. Eine ist das seit 1995 geführte visuelle Tagebuch, das aus Fotos und Videoaufnahmen besteht. Es konzentriert sich auf eine akribische Welt- und Naturbeobachtung und registriert deren Strukturähnlichkeiten und Kompositionsmuster. Dabei kann der Blick schon mal so dicht an ein Motiv heranführen, dass Realitätszusammenhänge irreal erscheinen. Heute spielt dieses „Tagebuch“ eine mehr oder weniger untergeordnete Rolle.

Mehr in den Vordergrund geraten Anregungen, die er auf seinen Reisen aufnimmt, im alltäglichen Leben erfährt und nicht zuletzt aus seinem eigenen Schaffen heraus empfängt. Diese Selbstreferentialität wirkt gleichsam induktiv, das heißt Formen regen zu weiteren an, die sich auf bereits bestehende beziehen oder diese verneinend, wiederum indirekt aufnehmen. Nicht das Trennende sondern das Verbindende steht im Mittelpunkt seiner vielansichtigen Skulpturen und Objekte.

Diese sind ebenso wie die Bilder kein ästhetischer Selbstzweck, keine absolut autonom zu erfahrenen Kunstwerke. Dirk Heerklotz entfaltet einen ganzheitlichen „Bildraum“ mit dem Grundtenor des Zeigens und des Erzählens. Vor allem im linken, dreiräumigen Bereich des Packhofes ergibt sich ein erzählerischer Parcours für die Besucher*innen. Sie werden zu einer Reise auf einen Pfad eingeladen, der sich aus den Bild- und Raumkonstellationen ergibt. Der Pfad gleicht „unsichtbaren Strömen“, die den Weg weisen. Assoziationsketten können sich ergeben: Bekanntes aus unserem Kunst- und Alltagserleben scheint auf, Gebilde erinnern an anthropomorphe Gestalten, an Gebäude, an Gebrauchsgegenstände, an Rituelles ebenso an Banales. Oft geschieht seitens des Betrachters ein visuelles und pragmatisches Abgleichen des Sichtbaren mit dem bisher Gekannten. Oder ein wagemutiges Kombinieren auf ein Neues hin, wird in Gang gesetzt, bestehend aus dem Bekannten plus dem Unbekannten, das uns in der Ausstellung umgibt.

Letztendlich begibt man sich in eine rätselhafte und nonverbale Erzählung hinein. Denn Heerklotz bezeichnet sich als einen Geschichtenerzähler, der mittels erfrischender formaler Vielgestaltigkeit die Neugier am sinnlichen Sehen weckt. Das Sehen gerät bei ihm zur kulturellen Metaebene für eine Welterfahrung, die sich aus dem Visuellen heraus entfaltet. Bei ihm steht am Anfang nicht das Wort, sondern die Form. Kunst wird so zu einem lustvollen Erkenntnisgewinn, der womöglich den Blick auf die Ding-Welt da draußen ein wenig umdeuten könnte.

Zum Vergrößern der Bildansichten und dem Schließen der jeweils geöffneten Fenster auf das Bild klicken


zurück

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

nach oben