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z u r ü c k


PACKHOF DES MUSEUMS
C.-PH.-E.-BACH-STR. 11
02.17.2017 - 11.02.2018

Bodo Rott. Bubblestereo - Monotypien im Dialog mit der Sammlung

Bodo Rott (1971), Berlin

Eröffnung am 01. Dezember 2017 um 19 Uhr, Packhof Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11


ZUR AUSSTELLUNG

Im Allgemeinen ist unter Bubble Stereo das Space Design von Stereoanlagen aus den Sechziger-und Siebzigerjahren zu verstehen. Die Lautsprecher und Abspielgeräte ähnelten damals halbierten Kugeln und könnten zu einem Raumschiff aus den Sechzigern gehören, das in die Science-Fiction-Welt entführt. Bodo Rott (*1971) spielt mit dem Titel auf das Design dieser Zeit an. Zugleich assoziiert man Musik, Geräusche und Klänge im Raum. Diese werden in den Monotypien von Kindern erzeugt. Das heißt, seine seit Jahren in den Bildern auftretenden „Nichtkinderkinder” (so die Bezeichnung von Bodo Rott) sind jetzt in eine Welt geraten, in der sie Alltagsdinge oder abwegige Gerätschaften zum „Musizieren”, zum Erzeugen von eigenwilligen Schallwellen inspirieren. Das sorgt für groteske Verstrickungen - lustvoll, ängstlich, entdeckerfreudig, verblüfft, humorvoll, genervt und beglückt geben sich die Kinder ihren Klangweltentdeckungen hin - oder werden von ihnen überrascht.

So wird ein altes Motiv und Thema der Kunstgeschichte aufgenommen und ideenreich variiert. Es ist die Darstellung des „Musizierens” und die damit einhergehende „akustische” Halluzination. Hier wagt sich ein stummes Medium in den Bereich des Hörbaren. Das geschieht in Gestalt von seltsamen Bildverzerrungen, so als seien verschiedene Blickwinkel gleichzeitig im Bild aktiv. Dabei wird auf ein kunsthistorisch sanktioniertes Mittel der Bildverfremdung zurückgegriffen. Die sogenannte Anamorphose (sinngemäß „Umformung”) verzerrt das Sichtbare. Nur von einem bestimmten Standpunkt aus ist das proportional korrekte Bild wahrnehmbar. Rott, der an der Akademie der bildenden Künste Nürnberg und in Berlin an der Hochschule der Künste studierte, spielt nicht nur mit visuellen Klängen, er zeigt eine enigmatische Bildwelt, die dem Betrachter einen konkreten Standort zuweist, um einen Zugang zur Bildwelt zu erhalten.

Im Zusammenhang mit einem Lehrauftrag für „Plastisches Gestalten” an der BTU Cottbus-Senftenberg führte er im Vorfeld dieser Ausstellung in der Rathaushalle eine offene Lehrveranstaltung durch. Er entwickelte zusammen mit den Studenten Soundexperimente, die den Klang-Raum des historischen Gebäudes erobern. Das Prinzip Bild/Musik kehrte sich um: jetzt war etwas akustisch wahrnehmbar - aber nicht sichtbar. In den unikaten Drucken, bei denen Rott eine Plexiglasscheibe als farbige Druck- und Zeichnungsgrundlage nutzt, wird das Gegenteil variantenreich durchgespielt.

In den sechs Räumen des Packhofs kommen mit circa 30 Monotypien Welten des Zweidimensionalen mit denen des Dreidimensionalen, das sind Skulpturen aus der Sammlung, in einen Dialog. Visuelle Wahrnehmung trifft auf die der physischen Positionierung vor einer illusionistischen Welt. Das heißt, an den Wänden findet das Spiel und das Sein der Kinder in der Welt der Kunst-Töne statt: fabulierend, verwirrend, leicht und poetisch. Im Raum präsentiert sich durch die rätselhaften Objekten von Klaus Hack, Uwe Kowski, Gerd Sonntag und Frieder Heinze das Desolate, Rudimentäre, Expressive und Durchlässige. Sie treten in einen synästhetischen Dialog mit den „Kinderkinderwelten” (Bodo Rott) und ihrem tonerzeugenden Handlungen. Die Objekte bewahren ihre Eigenheit des physischen Daseins und des ästhetisch Widerborstigen.

KLAUS HACK

Klaus Hack (*1966) beschäftigt sich mit der Auslotung von anthropomorph-surrealen Figuren und den dunklen, irrationalen Seinszuständen des Menschen. In den Skulpturen mit Reifrockmotiv des Barocks, spielt er die Möglichkeiten des einfließenden Raumes in den Holzstamm durch. In den Bildern fließt unsichtbare Musik und bei Hack es ist die Luft, die eine „Form” erhält und die Figur konturiert.

UWE KOWSKI

In der um 1993 entstandenen Werkreihe des Leipzigers Uwe Kowski (*1964) geht es um Körperfragmente. Dieser Zustand kann einen Verfall seiner Denk-, Handlungs- und Verhaltensabläufe symbolisieren und die sich daraus ergebende Unfähigkeit des selbständigen Überlebens signalisieren. So geraten sie in den formalen Widerspruch der heilen und „geschlossenen” „Kinderkinderwelt” des Malers.

FRIEDER HEINZE

Der überlebensgroße Mann von Frieder Heinze (*1950) ist von allen Seiten mit archaisierenden Zeichen aus verschiedensten Kulturen bemalt. Dabei sind auch zeitgenössische Kürzel aus dem Bereich öffentlicher Verkehr und individuelle Piktogramme, die wohl keiner „richtig” deuten kann. Rätselhaft sind auch die Handlungen der Rottschen Kinder, wenn sie sich verstricken, banal-seltsame Geräte bedienen und sich selbstvergnügt im Spiel verlieren.

GERD SONNTAG

Ein Kind steht ebenfalls im Mittelpunkt des Objektes von Gerd Sonntag (*1954). Es trägt den Titel „Kindlein im Wägelchen” und wirkt ganz anders als die „Kinder-Spiele” an den Wänden. Mit dem fabulierenden Charme eines spielenden Kindes mutierte unter den Händen des Malers etwas Nutzloses zu einem seltsamen Wesen. Kunstfremdes gerät in den Sog des Kunst-Machen-Müssens. Die Rottschen Kinder entdecken ebenfalls im Nicht-Kunst-Zeug ihre akustische Spielwiese ganz besonderer Art.

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