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z u r ü c k


PACKHOF DES MUSEUMS
C.-PH.-E.-BACH-STR. 11
28.04.2016 - 03.06.2016

Sehr wichtige Ausstellung II
Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Galeria BWA Zielona Góra, Kurator: Direktor Wojciech Kozlowski, Co-Kurator: Armin Hauer

Piotr C. Kowalski (1951), Poznan, Nienawiszcz

Eröffnung am 28. April 2016 um 18 Uhr, PackHof Museum Junge Kunst, Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11

Führungen PackHof Museum Junge Kunst in der Ausstellung "SEHR WICHTIGE AUSSTELLUNG II"


Ex nihilo
Der Künstler bezeichnet eine Serie als „Übergangsbilder”, was prinzipiell auch für andere Arbeiten gelten kann. Dabei handelt es sich um einfache Kompositionen, deren Entstehung so simpel wie einleuchtend ist. Die Leinwände werden auf Gullideckeln platziert, über rauchende Mülltonnen gehängt, an Straßen mit großen Pfützen befestigt, dem Frost ausgesetzt, auf dem Bürgersteig ausgebreitet oder unter Obstbäume gelegt. Nun vollbringen die Natur, der Zufall und das unbewusste Werk des Menschen das Bild. Das Bild macht sich gewissermaßen von selbst. Es ist ein Produkt des Peripheren. Es wird zum Dokument des Augenblicks, zum Abbild des Profanen und zur Realitätsfalle. Der Künstler ist ein Spurensucher und Fährtenleser, ein Jäger nach den hinterlassenen „Fußabdrücken” des für uns unkünstlerisch Wirkenden. Der Titel des Textes sagt es: Schöpfung aus dem Nichts. Zum Beispiel in seiner Serie mit den exotischen Namen Viterbo, London, Poznan´ , Tokyo und Toledo legte er seine Leinwände über Gullideckel, die den Namen der Städte tragen. Jetzt haben die Orte ihre Visitenkarte abgegeben.

Poesie des Alltags, dadaistischer Humor und die spitzbübige Annahme, dass es sich um Dinge handelt, die vom Betrachter als Bild wahrgenommen werden und ihn gleichzeitig in seinem Glauben an die wahre Kunst ein wenig erschüttern, bestärken den Künstler in seinem Tun. PCK, wie sich Piotr C. Kowalski mit Künstlernamen nennt, nutzt grundierte Leinwände für seine Aktionen und spannt sie später korrekt auf Keilrahmen. Das wirkt seriös und macht sie zu Kunst. Die verwendeten Materialien sind jene, die wir gemeinhin als Staub, Schmutz, Dreck und Abfall bezeichnen. Also arme Materialien, die in den Sechzigerjahren in der Arte povera vorkamen. Für die Serie „Vielleicht zum Meer” nahm er einfach den Müll, der am Strand herumlag. Für die Bilder mit der Natur, besser durch die Natur, nutzt er die Säfte von Früchten und Gräsern. Herabfallende Kirschen hinterlassen apokryphe Spuren und Gräser verewigen sich. Diese Abdrücke beflügeln ihn zu provokanten Titeln, wie zum Beispiel: „Stillleben”, „Lecker”, „Ungenießbar”.

Andere Serien beinhalten ästhetische, wenn man will sogar kultur-philosophische Aspekte. Schmutz und Staub sind in unserer Gesellschaft nicht gern gesehen. Sie werden als störend wahrgenommen und müssen entfernt werden. Sie werden gemeinhin als Dreck bezeichnet und als ungesund angesehen. Aber Staub fällt auch aus dem Kosmos auf uns herab. Er ist ein Botschafter aus der Vergangenheit. Die Geophysiker sprechen von jährlich 40.000 Tonnen kosmischen Staub, der sich mit dem auf der Erdoberfläche vermischt. Staub entsteht ebenfalls aus zerbröckelndem Gestein, Sandkörnern, dem Erdreich, organischer Materie, Vulkanausbrüchen und aufgrund der menschlichen Umweltverschmutzung. Aus dieser universiellen Materie ist seine „Farbe”, in der sogar das All Spuren einschreibt. „Übergangsbilder“, obwohl in verschiedenen Teilen der Welt geschaffen, haben ähnliche Farben. Damit trägt seine Kunst den „Stempel” des Allgemeinen und des Konkreten.

Piotr C. Kowalski studierte an der Akademie der Schönen Künste in Poznan´ , war von 1993 bis 1999 Dekan an der dortigen Fakultät für Kunstpädagogik. Er war Gründer und Kurator der Sammlung an der Kunstakademie Poznan´ . Zurzeit hat er eine Professur für Malerei an der Universität der Künste Poznan´ und an der Kundstakademie Wroclaw. Er lebt in Poznan´ und in Nienawiszcz. Wir dürfen gespannt sein, ob seine Bilder unmittelbar in Frankfurt (Oder) und Slubice entstehen werden – die Städte sich anhand von Spuren selbst „vorstellen”. Ein Bereich der Ausstellung widmet sich zudem den farbstarken Bildern aus seiner früheren neoexpressiven Phase.

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Kuratoren: Wojciech Kozlowski, Armin Hauer
Der Text basiert auf wesentlichen Passagen des Textes „Ex nihilo” von Joanna Janiak aus dem Jahr 2009. Übersetzung: Ryszard Górecki


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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