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z u r ü c k


PACKHOF DES MUSEUMS
C.-PH.-E.-BACH-STR. 11
23.10.2016 - 08.01.2017

»Jeder macht was er kann«
Zeichnung, Skulptur

Matti Schulz (1985), Dresden, Zeichnung, Skulptur

Eröffnung am 23. Oktober 2016 um 11 Uhr, PackHof Museum Junge Kunst, Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11

Führungen PackHof Museum Junge Kunst in der Ausstellung »Jeder macht was er kann«


Der Dresdner besuchte die dortige Hochschule für Bildende Künste von 2006 bis 2012. Anschließend war er Meisterschüler bei Professor Carl Emanuel Wolff. Im PackHof stellt er sich mit Zeichnungen, Collagen und Objekten vor. Sie umkreisen die klassischen Bildmotive des Porträts (auch von Personen der Öffentlichkeit), der „Alltagsreportage“ und der Tierdarstellungen. Doch sie unterhöhlen zugleich die in uns wohnenden Klischees von ihnen. Denn damit sind nicht selten Vorstellungen vom Schönen, Hehren und Bedeutenden verbunden. Diese Gefühlserwartungen werden attackiert und provozierend verunglimpft. Sarkasmus, Bildwitz, krude Mimik und Gestik zerstören Erwartungshaltungen und signalisieren einen ungeschönten Realitätseinbruch. Die Pointe steckt nicht im erzählerischen Finale, eher in der Art und Weise wie er seine Striche zieht, Farben setzt und Körper formt. Dadurch steigern sich die Motive gegenseitig bis ins boshaft Asoziale hinein.




Matti Schulz
Cold War 2

2013, Gips, Edelstahl, Palette, Stahlhelm, Kohle, Plastikpanzer,-flugzeuge,-soldaten,-schiffe, 185 x 150 x 150cm, Foto: Stefan Krauth


 



Matti Schulz
Kotzende Katze

2014, Bronze, 50 x 80 x 40cm, Foto: Matti Schulz


 



Matti Schulz
Jeder macht was er kann

2012, Zeichentusche auf papier, 65 x 50 cm, Foto: Matti Schulz


 


Es wird die Frage nach der Ernsthaftigkeit und Bedeutungsschwere aufgeworfen, die in der Kunstgeschichte mit diesen Motiven verbunden ist. Diese Bedeutungsbehauptung mittels eines Bildes wird mit einer Gegendeutung entthront. Es ist die gesellschaftliche dunkle Seite des Ungehörigen und des Schrägen, des Obszönen, des Boshaften und des nicht Sittsamen. Daraus ergibt sich ein Kanon des Asozialen, in dem die Wertvorstellungen und Haltungen gespiegelt werden.

Auch im frühen 20. Jahrhundert finden in der bildenden Kunst Entlarvungen der gesellschaftlichen Scheinmoral statt. Erinnert sei an Georg Grosz und Otto Dix. In der Gegenwart gibt es visuelle Attacken gegen die gesellschaftlich kodierten Verhaltensnormen, wie zum Beispiel bei Jonathan Meese. Die Postmoderne, die deutsche Pop Art (Sigmar Polke) und die „Neuen Wilden“ (u.a. Martin Kippenberger, Walter Dahn) haben ebenfalls dieses Terrain betreten. Auch bei ihnen gibt es die Strategie des Bildes und des Gegenbildes. Es wird beim Betrachter das Wissen um das offizielle Bild vorausgesetzt, um es mit dem entlarvenden zu konfrontieren. Dieser Kontext muss vorhanden sein, ansonsten werden Gegenbilder in ihrer Subversivität nicht verstanden. Im Alltag funktioniert das gut. Im Internet kursieren Fotos mit flapsigen Sprüchen, an den Kiosken parodieren Bildpostkarten Gewolltes und Tatsächliches – Cartoons würden ohne diesen Gegensatz nicht existieren. In der Sprache kommt das Entlarvende im Witz und im Kabarett, in Büttenreden, Comedy Shows, Alltagsprüchen und in Hasstiraden im Internet zum Vorschein. Matti Schulz dagegen lässt Katzen kotzen, Möwen mit einer Flasche im Hintern schreien, Stinkefinger gen Himmel ragen, Kriegsgeräte einen Schneemann besetzen und den Zirkus brennen.

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Text/Kurator: Armin Hauer


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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