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z u r ü c k


RATHAUSHALLE / FESTSAAL
MARKTPLATZ 1
21.02.2016 - 11.09.2016

HERZ HAUS MESSER KREUZ
Malerei, Grafik, Plastik, Objekte aus der Sammlung Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder)

Jan Brokof (1977), Kurt Buchwald (1953), Carlfriedrich Claus (1930 – 1998), DAG (1964), Michael Geyersbach (1954), Hermann Glöckner (1889 – 1987), Hans-Hendrik Grimmling (1947), Jürgen Gustav Haase (1947-2013), Frieder Heinze (1950), Veit Hofmann (1944), Ingo Kirchner (1930 – 1983), Stefan Lenke (1976), Manfred Luther (1925 – 2004), Richard Mansfeld (1959), Monika Maria Nowak (1949), Carsten Nicolai (1965), Aud Otto, A. R. Penck (1939), Friedrich Press (1904 – 1990), Ulf Puder (1958), Neo Rauch (1960), Sebastian Reddehase (1978), Robert Rehfeldt (1931 – 1993), Horst Sagert (1934 – 2014), Daniel Sambo-Richter (1966), Hans Scheuerecker (1951), Gil Schlesinger (1931), Baldur Schönfelder (1934), Paetrick Schmidt (1980), Heinz Schmöller (1975), Herbert Seidel (1906 – 1974), Helmut Senf (1933), Erika Stürmer-Alex (1938), Hans Ticha (1940), Heinrich Weid (1963), Anna Werkmeister (1949), Christiane Wartenberg (1948)

Eröffnung am 21. Februar 2016 um 11 Uhr in der Rathaushalle, Marktplatz 1

Führungen Rathaushalle Museum Junge Kunst in der Ausstellung "HERZ HAUS MESSER KREUZ"


Kunstwerke erhalten durch konkrete historische und individuelle Konstellationen ihre formale Prägung. Ohne dass wir den genauen Entstehungsprozess kennen, berühren sie uns noch lange nach ihrer Entstehungszeit. Sie sind mehr als nur ein Zeitdokument, ein Beleg für ein Geschehnis oder für eine stilistische Besonderheit. Sie tragen deren Strukturen in sich und finden zugleich zu einer Form der Sinnbildhaftigkeit. Sie können Erkenntnisgewinn und Information, gleichzeitig das Irrationale und Unbewusste in uns ansprechen. Es ist etwas, das sich mehr oder weniger der Sprache entzieht, dafür stärker erahnt, gefühlt und empfunden wird. Das kann sowohl zur Erkenntnis führen als auch in Richtung des Unbenennbaren oder gar des Numinosen deuten. Gerinnt das Werk zu einer klaren Form des nicht Erzählbaren, verweist es zusätzlich auf Nichtsichtbares, kann es zum Symbol oder Piktogramm mutieren. Allgemein gesprochen ist es nun ein Zeichen. (Wobei Kunstwerke oder dessen Teile auch als Zeichnen benannt werden.) Das Zeichen, konkret das Symbol und Piktogramm verweisen auf etwas Sicht- oder Nichtsichtbares und zugleich als ästhetische Form auf sich selbst. Ein gemaltes Kreuz zum Beispiel besitzt einen hohen symbolischen Wert. Je nach historischer Epoche und Kulturkreis gibt es unterschiedliche kollektive Vereinbarungen und Deutungen. Hinzu kommen die individuellen rationalen und irrationalen Projektionen. Dieser Geschichtspunkt des gleichzeitigen Ein- und Vieldeutigen ist für das Konzept der Ausstellung wesentlich. Sie konzentriert sich auf Bildsprachen aus den letzten 40 Jahren, die sich mittels Piktogrammen, semantischen Archaismen, urbanen Leitsystemen, kollektiven Symbolen und Schriftzeichen äußern.
Rund 100 Arbeiten von 37 Künstlern werden vorgestellt. Sie gehören vier Generationen an. Der älteste ist Friedrich Press, geboren 1904, und Paetrick Schmidt ist mit 35 Jahren der jüngste. Bis auf wenige Ausnahmen (u.a. Hermann Glöckner, Friedrich Press) haben sie ein Kunststudium nach 1945 absolviert, wenn sie nicht als Autodidakten wie zum Beispiel Carlfriedrich Claus, Monika Maria Nowak oder Carsten Nicolai zur Kunst fanden. Alle bringen ethische und sinnbildliche Situationen, zum Teil versachlicht und prägnant zur Sprache. Der Titel verweist auf die großen Themen unseres Seins: Tod und Leben, Liebe und Hass, Spirituelles und Materielles, gesellschaftliche Utopien und Katastrophen.

Erika Stürmer-Alex (1938), Lietzen
Künstlerin bei der Arbeit
1982, Latexfarben auf Stoff; 130 x 178 cm; Foto: W. Mausolf, © MJK, Künstlerin

Hans-Hendrik Grimmling (1947), Berlin
Fusion I
1994/95, Öl und Pigmente auf Leinwand; 280 x 300 cm; Foto: W. Mausolf, © MJK, Künstler

Sebastian Reddehase (1978), Halle/Saale
amplify myself, Visualisierung des Zitats „ampilfy myself“ von Roman Polanski während der Fahrt eines Formel 3 Rennwagens in seiner Freizeit
2007, mixed media; 53 x 35 x 93 cm; Foto: S. Reddehase, © MJK, Künstler



Christiane Wartenberg (1948), Ortwig/Oderbruch
Oben & Unten
2013, Acryl, Kreide, Kohle auf Leinwand; je 90 x 160 cm; Foto: C. Wartenberg, © MJK, Künstler

In der weitläufigen Spätrenaissancehalle werden die Arbeiten in einen Dialog gestellt. Dieser ist unabhängig von ihrer Entstehungszeit und davon, ob es sich um ein kryptisches Zeichen oder um eine Farbfeldmalerei handelt. Im ästhetisch-semantischen Kontrast beharren alle auf ihre Eigenheit, die sie isoliert und zugleich für den „Dialog“ mit anderen Kunstwerken öffnet. Der „Dialog“ führt zum Beispiel von der Farbfeldmalerei (Helmut Senf, Daniel Sambo Richter, Stefan Lenke) über konstruktive Formen von Hermann Glöckner bis hin zu einem zeichenhaften Expressionismus und einer an Comics erinnernde Sprache bei Paetrick Schmidt und Heinz Schmöller.
In einer Ausstellungskoje werden die Zeichenfanale nationaler Geschichte von Hans-Hendrik Grimmling zwischen Bildern zum Kommunistischen Manifest von Veit Hofmann und den stilisierten Geschichten aus der Bibel von Herbert Seidel gesetzt. In einer anderen steht ein sich krümmendes Boot von Ulf Puder vor dem Objektkasten mit Kreuzzeichen von Robert Rehfeldt. Daneben verweist die graugestufte Straße von Jan Brokof auf einen möglichen Himmelsweg und Kreise auf delikaten Farbgründen von Manfred Luther verkünden im Verständnis von „Alles ist nur ein Gleichnis“ „Ich denke also bin ich“. Dagegen widmet sich ein Ausstellungsabschnitt den Wandlungsformen „Von der Linie zur Schrift und zum Zeichen“ mit Arbeiten von Carlfriedrich Claus, Christiane Wartenberg, Gil Schlesinger, Horst Sagert und Michael Geyersbach.

Mit der Konfrontation des Gegensätzlichen zueinander, wird eine Erzählung des vielleicht Bedeutungsvollen angeregt. Damit ist die kuratorische Behauptung verbunden, von den monochromen und minimalistischen Werken gehen ebenfalls Bildsignale des Sinnhaften aus. Vielleicht sind es die des Schönen und des Geordneten, die hier auf Gegensätzliches wie auf Chaos, Disharmonie und Unwägbarkeiten stoßen.

Theateraufführung - Premiere

Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder)
Rathaushalle, Marktplatz 1
8. September 2016, 19:30 Uhr

NIPPLE JESUS

nach einer Geschichte von Nick Hornby
Regie: Melanie Stein, Spiel: Stefan Stern
Modernes Theater Oderland e.V.

Eine Koproduktion der Messe und Veranstaltungs GmbH
mit dem Modernen Theater Oderland e.V.
und dem Museum Junge Kunst

Eintritt: 14,- €, ermäßigt 12, - €
Vorverkauf: Kleistforum Frankfurt (Oder), MuV, Platz der Einheit 1
Ticketkasse: +49(0) 335 40 10-120, ticket@muv-ffo.de
Karten an der Abendkasse

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Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

Text/Kurator: Armin Hauer


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  von 11.00 bis 17.00 Uhr

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