AUSSTELLUNGEN 2016/17

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PackHof,  C.-Ph.-E.-Bach-Str. 11

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PACKHOF DES MUSEUMS
C.-PH.-E.-BACH-STR. 11
23.07.2017 - 29.09.2017

»DAS WAR DIE ZUKUNFT«
Malerei, Installation, Zeichnung

Marc Jung (1985), Erfurt

Eröffnung am 23. Juli 2017 um 11 Uhr, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, PackHof, Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11




Marc Jung (1985), Erfurt
OPFERLAMBO, 2016, mixed media on canvas, 150 x 200cm, Bildrechte Künstler, Foto: Marc Jung



Marc Jung (1985), Erfurt
TOKIO BORDELL GESAMMELTE WERKE, 2016, mixed media on cancas, 90 x 70cm, Bildrechte Künstler, Foto: Marc Jung


 

Der Titel nimmt Bezug auf ein Lebensgefühl, das nicht nur eins der Generation von Marc Jung sein könnte. Vielleicht ist es sogar ein Ausdruck des herrschenden Zeitgeistes. Einst war die Zukunft das Tor zum Paradies und versprach die Lösung aller Probleme auf der Welt. Dann meinte Karl Valentin „Die Zukunft war früher auch besser“ und Punks grölten in den Achtzigern „no future“. Heute rumort im politischen Zeitgeist eine rückwärtsgewandte Alternativlosigkeit und der Blick fürs Machbare soll die Zukunft retten.
Der Künstler stellte sich seinem eigenen Motto und malte ein paar Bilder direkt für seine Ausstellung. Zukunft kann immerhin noch das künstlerische Potenzial absichern. Zum Neuen kommen Malereien aus den letzten Jahren hinzu. Gern spricht er von einer kleinen Retrospektive für Frankfurt (Oder), bei der Malerei und das räumliche Bild vorgestellt werden, letzteres in Gestalt von stehenden Figuren.
Der in Erfurt und in Berlin arbeitende hinterfragt nichts altklug und stellt nicht die These auf, dass Bilder eine Welt erklären oder bessern könnten. Demnach gehört er der Post-Pop Art Generation an, die sich von gesellschaftlichen Ansprüchen der Aufklärung und Erziehung verabschiedeten. Was nicht heißt, dass seine Bilder nicht den Bezug zur Vergangenheit sowie zur Gegenwart suchen und finden. Das geschieht durch unmittelbare Alltagserfahrungen und auf einer ästhetischen Ebene. In letzter Zeit wurde sein Interesse für die verzerrten Leiber von Francis Bacons (1909-1992) und die Lichtdramen von Caravaggio (1573-1610) geweckt. Es entstanden expressive Adaptionen, ganz seinem Stil verpflichtet. Er selbst spricht vom Updaten dieser Figurationen.

Dabei ist das Bild generell nicht mehr in der Verantwortung des existenziell Authentischen und beansprucht auch keine kulturpolitische Erweckungsmission, die mittels einer ästhetischen Schocktherapie den „Spießer“ zu läutern trachtet, wie es etwa in den Fünfziger- und Sechzigerjahren bei den COBRA-Malern, der Gruppe Spur und dem Maler-Schalk Sigmar Polke (1942-2010) noch möglich war. Dennoch blieben die Impulse des Ausdrucksstarken, des Spontanen und des „Ver-rückten“ (des Dionysischen?) weiterhin Zündstoff für die Kunst. Bereits Ende der Siebzigerjahre wurde das „Wilde“ wieder in den Werken der Neoexpressiven und bei Jean-Michel Basquiat (1960-1988), Albert Oehlen (1954), Jonathan Meese (1970) oder vom Maler-Punk Daniel Richter (1962) aktiviert und in die Metabene aus Trash und Ironie transformiert. Bei ihnen geraten Figur und Abstraktes durcheinander - hinzu gesellen sich Schrift, Zahl und Buchstabe. Alles hat seine Gleichberechtigung im Bild, wie ebenso das Malerische oder das Grafische in turbulenter Balance gehalten werden.

Mit diesem Repertoire geht Marc Jung ebenfalls um und es kommen die Techniken seiner einstigen Graffitierfahrung hinzu. Der Einsatz von Textmarker, Fineliner und Sprühdose erfährt eine technische Kollision durch das traditionelle Malen in Öl. Farbflächen voller leuchtender Intensität liefert die Dose mit dem Geruch der Streetart, die immer noch den Nimbus des Anarchischen hat, aber oft im biederen Mainstream und im Dekorativen angekommen ist. Hier aber wird noch einmal der brachial heitere Sound schöner Farben sichtbar - verschmiert, gesprüht, gekleckst oder in die Linie gezwungen. Das breitflächige Dekor findet ebenfalls seinen Einsatz. Um es nicht zu schön werden zu lassen, wird es farblich überdreht (Neonfarben) oder ruppig ironisiert. Tube, Stift und Sprühdose liefern das Kolorit, Infos aus Zeitungen, Fotos und sozialen Netzwerken geben das inhaltliche Rohmaterial hinzu. Es wird gesampelt, arrangiert und zitiert. Im Gegensatz zum Gesprayten kommt die Ölfarbe „langsamer“ zum Einsatz. Der Pinsel findet so gut wie keine Nutzung, dafür wird aus der Tube gequetscht oder mit dem Spachtel krude aufgetragen.

Satzfetzen, Sprüche, Kürzel und Zahlen fangen das Interesse des Betrachters. Fiebrig gesetzte Fratzen und Wörter können ein Widerhall auf das Mediengetöse und auf ein endloses Suchen im Internet nach Zuneigung, Sex, Hass, Lüge, Erkenntnis sein. Die mittels der Medien gefilterte Welt wird in unseren Köpfen missverstanden. Das ewige „Dabeisein müssen“ gibt Bildimpulse für Jungs ernstes Nein und heiteres No, für ein irres Yes und morbides Ja zum Jetzt und Hier. In den früheren Bildern, wie in dem „RONNY RAEUMT DEN LADEN AUF“ von 2013, kommt der Biss der Realität ungezügelt bei uns an. Die Antwort darauf sind Glammer, Texte, schräge Figuration und Platznot. Später erscheinen neben dem überbordenden Gewusel leere Flächen und eine gewisse Ausgewogenheit der Komposition ordnet das Gedränge.

Jung teilt seine Bilder in abstrakte und figürliche ein. Das heißt nicht, dass es nicht zu einem Mix oder zu einer burschikosen Verschmelzung von beidem kommen kann. Aber ebenso treten wirklich abstrakte Kompositionen mit geometrischem Vokabular und kurvenreichem Krickelkrakel auf, die zudem noch im Schwarz-Weiß gehalten, an einen aus den schöngeistigen Fugen geratenen Wassily Kandinsky (1866-1944) oder an die mit den Triebkräften der Erde und dem Kosmos flirtenden Willi Baumeister (1889-1955) oder Fritz Winter (1905-1976) erinnern. Nun ist im neuen Jahrtausend das Geheimnisvolle oder Mythische verschwunden. Zum Vorschein kommt die nüchterne Technik des „Gemachten“, manchmal auch ironisch-poetisch - lapidar gewollt oder ungewollt. Der Betrachter stellt sich die Frage, ob da der Zufall oder ein feines Ausbalancieren von Bewegung und Statik regiert, oder eher doch ein quirliges Crossover und ein „Mal sehen was dabei herauskommt“ die Hand führen? Als Beispiel wäre auf das großformatige „MIT KIPPI IM TIPI“ (2016) zu verweisen. Ist das nun eine schwarzweiß Hommage an Martin Kippenberger (1953-1997), genannt Kippi, oder an das gelassene Rauchen in einem Tipi – oder schließt das Eine das Andere nicht aus?

In den farbintensiven Arbeiten gewinnt die vielschichtige Farbtextur oftmals an flirrender Intensität. Sie gerät in sich verwoben, nervös und aggressiv. Im breitwandformatigen „BJÖRNING DOWN THE HOUSE (2016) und im farbgrellen „PEGIDAPÄDAGOGEN“ (2017) erreicht der Reflex auf politische Bewegungen von AFD und PEGIDA einen uns attackierenden Widerhall.
Political Correctness ist generell nicht Jungs Anliegen und Aufmerksamkeit wird provokativ-sarkastisch erzeugt, wie ein paar Beispiel es belegen: „ICH FINDE MENSCHEN EINFACH NICHT SO GEIL EGAL WELCHER HAUTFARBE“ (2015), „ICH WÜRDE AUCH LIEBER VON DEN AMIS GEFOLTERT WERDEN ALS VON DEN DRECKS CHINESEN“ (2015) oder „DEIN LEBEN IST WIE HITLERS DICK FOR EVA BRAUN“ (2016). Der Maler macht sich darauf seinen trashigen Reim. Das Böse, das Groteske und das Vitale, das, was an der Substanz des Geordneten nagt und es gar vernichten will, gerät schon mal stilistisch zum postmodernen Kalauer. Das Sichtbare kommt nicht unbedingt mit dem Lesbaren in Einklang. Eher treiben die Titel die Assoziationen in andere Richtungen und das Auge nimmt das Bildliche kritischer und unsicherer wahr. Findet sich dennoch kein Zusammenhang, ist er vielleicht nicht gewollt - oder etwa doch?

Kurzbiografie

1985geboren in Erfurt
1991-2004 Leistungssport Ringen
2005,2006 Arbeitsaufenthalt in New York, USA
2006-2011 Studium der Freien Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar, Prof. Elfi Fröhlich, Reinhard Franz
2007Arbeitsaufenthalt in Bandung und Jakarta, Indonesien
2009/2010 Zusatzstudium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Wien, Prof. Daniel Richter
2012-2014 Meisterschüler an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Prof. Adalbert Scheffler
Lebt und arbeitet in Erfurt und Berlin.

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Kurator: Armin Hauer


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und Kultur des Landes Brandenburg und der Stadt Frankfurt (Oder) gefördert

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